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Effiziente Allokation | Pareto-Kriterium und Gleichgewicht


Pareto–Kriterium

Nach dem Pareto–Kriterium (es gibt auch andere!) ist ein Zustand A dann einem Zustand B überlegen (man sagt: Pareto–superior), wenn mindestens ein Wirtschaftssubjekt Zustand A dem Zustand B vorzieht und die anderen Wirtschaftssubjekte sich zumindest nicht schlechter stellen durch Zustand A. Wenn es keinen weiteren Zustand C gibt, der dem Zustand A nach diesem Kriterium vorzuziehen wäre, nennt man A eine effiziente Allokation.

Um einem möglichen Missverständnis vorzubeugen: A ist nicht die einzige effiziente Allokation, sondern lediglich eine von unendlich vielen effizienten Allokationen. Denn alle Allokationen sind effizient, also Pareto–optimal, für die es keine andere Allokation gibt, bei der kein Wirtschaftssubjekt schlechter, mindestens aber eines besser gestellt ist als vorher. In der traditionellen Wohlfahrtsökonomik (Allokationstheorie) wird auf das Pareto–Kriterium abgestellt.

Die Frage, ob ggf. die eine effiziente Allokation "besser" als die andere effiziente Allokation ist, stellt dann auf Gerechtigkeitsüberlegungen ab. Ob also eine effiziente Allokation als "gerechter" als die andere zu bezeichnen ist, kann dann nicht mehr mit dem Pareto–Kriterium gemessen werden. Hierfür bedarf es einer (sozialen) Wohlfahrtsfunktion, die – z. B. als Funktion der individuellen Nutzen – eine Rangfolge erwünschter sozialer (gesamtwirtschaftlicher) Zustände beschreibt, auf deren Grundlage dann (wirtschafts–) politische Entscheidungen getroffen werden können.
 

Problemstellung

In der (Wohlfahrts–) Analyse wird in einem ersten Schritt für eine Modellwirtschaft zunächst untersucht, welche Bedingungen in dieser Modellwirtschaft erfüllt sein müssen, damit die drei genannten Allokationsprobleme (effiziente Faktorverteilung, effiziente Güterverteilung, optimale Abstimmung zwischen Produktions– und Konsumbereich) Pareto–optimal gelöst sind, mithin eine effiziente Allokation verwirklicht wäre. Dieser Teil der Analyse abstrahiert noch von einer konkreten Wirtschaftsform (Marktwirtschaft, Zentralverwaltungswirtschaft etc.)! Hier soll lediglich ein volkswirtschaftliches Optimum, ein theoretischer bzw. gewünschter Optimalzustand ermittelt werden.

In einem zweiten Schritt wird dieses Ergebnis dann für eine bestimmte Wirtschaftsform überprüft – genauer: es wird überprüft, ob das theoretisch gewünschte Ergebnis (effiziente Allokation) in der ökonomischen Realität auch erreicht wird. Unter ökonomischer Realität wird hier stets ein Konkurrenzgleichgewicht verstanden. Untersucht wird also nur die Idealform einer Marktwirtschaft, in der alle Märkte unter vollständigem Wettbewerb stehen. Im Konkurrenzgleichgewicht streben alle Wirtschaftssubjekte unabhängig voneinander nach maximaler individueller Zielerfüllung: Die Konsumenten maximieren ihren Nutzen, die Produzenten maximieren ihren Gewinn. Diese verschiedenen einzelwirtschaftlichen Optima werden dann mit dem gewünschten volkswirtschaftlichen Optimum verglichen!

Für den Fall, dass die Allokationsergebnisse der einzelwirtschaftlichen Entscheidungen (Güternachfrage und Faktorangebot der Haushalte, Güterangebot und Faktornachfrage der Produzenten) den Bedingungen für die volkswirtschaftlich gewünschte Verteilung widersprechen, wird in einem dritten Schritt untersucht, wie es durch staatlichen Eingriff (Steuerpolitik) oder private Verhandlungen auch im Konkurrenzgleichgewicht zur Erfüllung der Bedingungen für eine optimale bzw. effiziente Allokation kommen kann.

Die Systematik der Analyse hier noch einmal in Kurzform:  

  • Ermittlung der Bedingungen für ein Pareto–Optimum (volkswirtschaftliches Optimum)
     
  • Ermittlung der Bedingungen für ein Konkurrenzgleichgewicht (einzelwirtschaftliche Optima)
     
  • Überprüfung, ob im Konkurrenzgleichgewicht die Bedingungen für Pareto–Optimum erfüllt sind, ggf. – nämlich bei Abweichung – Ermittlung geeigneter Steuer– oder Verhandlungslösungen.
     

Siehe auch Externe Effekte


[Auszug aus der Einleitung der VWL-Fibel Allokationstheorie - Ihre Lernhilfe zur Prüfungsvorbereitung an der Fernuniversität Hagen!]